Castan’s Panopticum und Passage Panoptikum, Berlin.
Eine Rekonstruktion aus Programm, Literatur und Wissenschaft.

Zusammengetragen, kommentiert und herausgegeben von Angelika Friederici, Verlag Karl-Robert Schütze, Berlin 2024.

Eine farbige Illustration, fest gebunden, 398 Seiten

ISBN 978-3-928589-33-8

 

Ergänzender Dokumentationsband zur kulturhistorischen Monographie:

 

Castan’s Panopticum. Ein Medium wird besichtigt.

Farbig reich illustriert, 35 (auch einzeln erwerbbare) Themenhefte, über 702 Seiten, Verlag Karl-Robert Schütze, Berlin 2008-2020.

ISBN 978-3-928589-23-9

 

Castan’s Panopticum war das letzte wächserne Porträtkabinett und das erste Panoptikum, das in Europa entstand: das älteste und respektabelste Panoptikum auf europäischem Boden. Ein Panoptikum war eine stationäre Allesschau, die im Überschneidungsbereich von Schaugewerbe, Kunsthandwerk, Wissenschaft und Museum sammelte, fertigte und ausstellte. Es gehörte – im Gegensatz zu den nachfolgenden, technisch gründenden Aufzeichnungsmedien wie Fotographie, Film oder Radio – sowohl zu den authentischen als auch zu den im Kunsthandwerk gründenden frühen bildlichen Wiedergabemedien.

Castan’s Panopticum, aktiv zwischen 1869 und 1922, expandierte europaweit und erschuf zahllosen Konkurrenten und Nachahmern deren Existenzgrundlage, zu denen auch das 1888 gegründete (1923 geschlossene) Berliner Passage Panoptikum gehörte.

Im Baedeker erwähnt und in Meyers Konversationslexikon aufgenommen, widmeten sich neben der redaktionellen Tagespresse und vielen nichtbekannt gewordenen Gästen auch Berlinliteraten und Künstler schreibend den Berliner Panoptika, u.a. Arthur Eloesser, Hans Fallada, Theodor Fontane, Julius Freund, George Grosz, Victor Happrich, Otto Erich Hartleben, Friedrich Hollaender, Victor Hollaender, Erich Kästner, Egon Erwin Kisch, Siegfried Kracauer, Karl Kraus, Gustav Landauer, Paul Lindenberg, Walter Mehring, Hermann Waldemar Otto, Ludwig Pietsch, Willy Prager, Joseph Roth, Paul Schlesinger, Julius Stettenheim, Julius Stinde, Walter Trier, Johannes Trojan, Claire Waldoff, Erich Weinert. Zeitgenössische Wissenschaftler und Philosophen berichteten, so Franz Boas, Otto Finsch, Felix von Luschan, Otto Schellong, Julius von Schlosser, Eduard Spranger, Robert Springer, Edwin Redslob oder Rudolf Virchow. Auch Reisende wie Adrian Jacobsen, Charles Huard, Lenin, Karl May oder Marie von Olfers verarbeiteten ihre in einem Berliner Panoptikum erhaltenen Anregungen. Deren Texte sowie die vieler anderer wurden hier erstmals versammelt.

Dieser Dokumentationsband präsentiert Texte verschiedener Zeithorizonte, einschließlich der späteren wissenschaftlichen Behandlung dieser Institutionen, und beschreibt über einen Zeitrahmen von 175 Jahren Existenz und Wahrnehmung eines frühen Bildmediums aus vollkommen verschiedenen Perspektiven.

Das mit dem von Louis Castans Hand geschaffenen brüderlichen Doppelrelief illustrierte Buch wird eröffnet mit einem einbindenden Geleitwort, dem die kurze Vorstellung und Würdigung der Lebensleistung der Bildhauer Gustav und Louis Castan folgt. Die im Anschluss chronologisch aufgeführten ein Panoptikum charakterisierenden Texte werden in drei abschließenden Kapiteln durch die Herausgeberin thesenartig strukturiert und erschlossen. Der Textband ergänzt und beendet die seit 2020 gedruckt vorliegende kulturhistorische Betrachtung beider Berliner Panoptika. Einige Textzitate werden noch in der Chronik erläutert, alle werden bibliographisch nachgewiesen und durch ein Schlagwort-, Orts- und Namensregister erschlossen.